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Aus dem Archiv der Gelehrten: Eine Interpretation der Seelen

Im Rahmen der Elder Scrolls Online Serie Aus dem Archiv der Gelehrten gibt es einen neuen Blog-Artikel zum Thema Eine Interpretation der Seelen. Folgend findet Ihr weitere Informationen dazu.

Eine Interpretation der Seelen

Abt Crassius Viria vom Orden der Ahnenmotte präsentiert uns heute sein neues Buch und beantwortet im Anschluss Eure Fragen zu Seelen, dem Tod und dem, was danach kommt. Viel Spaß!

TESO MitarbeiterZenimax on Archiv der Gelehrten (Quelle)

EINE INTERPRETATION DER SEELE

Von Abt Crassius Viria

Ein verstörter Initiand mit weit geöffneten Augen unterbrach letzte Nacht meine Meditation. „Abt“, schrie er, „ich musste den schrecklichsten Traum überstehen. Ich habe mich um die Alten in ihren Zellen gekümmert, ihnen Essen und Wasser gebracht und ihren beruhigenden Liedern zugehört. Die Flügel der Motten schlugen sanft und ruhig wie immer, als ich mich plötzlich einer abscheulichen Erscheinung gegenüber sah! Körperlose Tote durchstreiften die Hallen und es schien mir, als würden sich die Motten an ihnen laben – einen Hauch geisterhaften Materials einsaugen, vielleicht sogar ihre Seelen selbst, in hungrige Schlünde! Bitte, Abt, sagt mir, dass dies Wahnsinn ist, dass dem nicht so ist!“

Es ist nicht ungewöhnlich für Initianden unseres Ordens, beunruhigende Träume zu haben, besonders wenn sie mehr über die Natur unserer Obhut, die Schriftrollen der Alten, und die Ahnen, die uns die Weisheit gewähren, um uns ihren endlosen Mysterien zu stellen, erfahren. Auch wenn ein Großteil des Wissens, das man durch das Lesen der Schriftrollen erlangt, selbst erlebt werden muss, um es vollkommen zu verstehen, und ich von meinem täglichen Unbill sehr erschöpft war, konnte ich ihm seine Ängste nehmen. Unser Orden fühlt sich mit sterblichen Seelen und den Motten verbunden, die Fragmente ihrer Belesenheit über die Sterblichkeit hinaus bewahren.

Wir nutzen nicht die unwirschen Methoden der Anrufer oder Nekromanten, die Seelen aus ihren Gefäßen reißen, sie einfangen und ihre Energien gewaltsam lenken, ungeachtet derer Ziele oder Zufriedenheit. Nein, das Wechselspiel aus Motte und Ahnenseele ist empfindlich und so natürlich wie die Lobsangbäume selbst und wir sind geduldige und gewissenhafte Beobachter, die hoffen, einen Teil des kosmischen Gewebes zu verstehen, indem wir auf dessen Fäden blicken. Wir erfahren durch den Dienst an den Motten und den Ahnen Führung, nicht durch den plumpen Zwang des Willens ohne Verständnis für die Konsequenzen.

Die Seele, so erklärte ich ihm, hat vieles mit der Motte gemein – sie bilden ein sinnbildliches Paar. Auch wenn es charakteristisch ist, sie als aedrische Essenz im Herzen eines jeden Sterblichen zu sehen, so habe ich ihm dennoch geraten, die Seele in einem anderen Licht zu betrachten, geschuppt wie die Flügel der Motte, bestehend aus Gefäßen, die während all der Ereignisse einer sterblichen Existenz gefüllt werden. Löst sich das Leben von Nirn, so glauben wir, dass eine Art Zerstreuung beginnt, und dass dann die Motten, die Generation für Generation unter unserer Pflege und unserem Schutz gedeihen, das Lied des Fjyronen einer Seele erlernen.

Die Fjyronen selbst müssen eine Verbindung zum großen Gewebe der Schöpfung aufrechterhalten, zu allen Überbleibseln verstreuter Seelen, ganz gleich, wohin es sie auch treiben mag. Durch diese Verbindung und mit geduldiger Fürsorge können wir Führung von jenseits der Gegenwart, der Vergangenheit oder der bekannten Welt, von einem Ort, an dem die Zeit keine Rolle spielt, erhalten. Die Motten fangen weder die Seelen der Ahnen ein, noch verschlingen sie diese. Vielmehr wiederholen sie für uns, was sie vernommen haben, ganz so wie ein Chor, der die Verse eines großen Liedes wiederholt.

Ich konnte erkennen, dass ihm das vollständige Verständnis hierfür noch fehlte, aber seine wildesten Ängste vor den Ahnenmotten größtenteils beseitigt waren. Ich habe ihm gerne auf seiner Reise geholfen und ihm gesagt, er hätte genügend Zeit, über die Natur der Seelen nachzudenken, während er kommende Woche den Boden des Seidenraums schrubben würde – als Buße dafür, dass er meine nächtliche Träumerei gestört hat.

ABT CRASSIUS VIRIA BEANTWORTET EURE FRAGEN:

„Als Nord weiß ich, dass meine Seele eines Tages nach Sovngarde kommen könnte, so Shor will, aber könnte meine Seele Sovngarde auch verlassen und andere Ebenen von Aetherius aufsuchen, wenn ich es denn möchte, oder ist meine Seele an eine Ebene gebunden?“ – Von Rhaegar Volker

Abt Crassius Viria sagt: „Herbeigerufene oder heraufbeschworene Seelen Verstorbener sprechen selten von ihrem Verweilen in Aetherius, aber unser Orden glaubt daran, dass Taten des Willens, etwa eine Reise, an einem Ort, an dem ein eigener Wille nicht vonnöten ist, selten sind. Es gibt keine Entscheidung, wo es keinen Anreiz für eine Entscheidung gibt.“

„In einem Buch der Weisen Svari der Fahlsteinhalle habe ich gelesen, dass Hircine die Seele eines jeden Lykanthropen nach dessen Tod beansprucht. Das wirft für mich die Frage auf, wer nun eigentlich ‚das letzte Wort‘ hat, wenn es darum geht, wohin die Seele eines Sterblichen gelangt. In diesem Beispiel hätten ja die daedrischen Fürsten mehr zu bestimmen als die Aedra. Gibt es Beispiele für Konflikte zwischen den göttlichen Mächten, in denen es um die Seele eines Sterblichen geht? Und falls ja, was wären die entscheidenden Faktoren in einem solchen Konflikt?“ – Von Inkwolf

Abt Crassius Viria sagt: „Die Aussagen der Weisen Svari, dass Hircine die Seelen der Lykanthropen ‚beanspruchen‘ würde sind blumig, aber irreführend. Es sind die Sterblichen selbst, die durch ihre Entscheidungen zu Lebzeiten über den Ort entscheiden, an den ihre Seele gelangen wird. Allerdings habe ich schon davon gelesen, dass Nekromanten des Wurmkults eine Möglichkeit gefunden haben, die Seelen geopferter Sterblicher mithilfe eines bestimmten daedrischen Rituals zu entführen. Das wäre schrecklich, wenn es denn wahr ist, aber bisher habe ich noch keinen eindeutigen Beweis hierzu vernommen.“

„Mir ist auf meinen Reisen durch Tamriel eine ungewöhnlich große Anzahl an empfindungsfähigen und freundlichen Geistern aufgefallen. Denkt Ihr, das hat etwas mit der Ebenenverschmelzung zu tun, oder ist hier eine andere Macht am Werk?“ – Von Basha-jo

Abbot Crassius Viria sagt: „Es steht zweifelsohne fest, dass das Erscheinen ruheloser oder losgelöster Seelen in den letzten ein oder zwei Jahren zugenommen hat – unsere Schätzungen gehen hierbei sogar von einem historischen Höchstwert aus. Die Tatsache, dass unsere Welt gleichzeitig von Daedra und den sogenannten ‚Dunklen Ankern‘ angegriffen wird, ist wohl kaum Zufall. Ich fürchte, das Gewebe unserer Realität franst aus, und die Schriftrollen sind bezüglich des Ausgangs mehrdeutig.“

„Ehrwürdiger Abt, ich habe eine einfache Frage zu einem facettenreichen und komplexen Thema: die Gesichtsbehaarung und ihre metaphysische Wichtigkeit. Welche Rolle spielen Bärte (und andere Formen der Körperbehaarung, sofern zutreffend) im Kult der Ahnenmotte und der uralten Kultur von Nibenay? Gibt es irgendeinen Zusammenhang mit unserer gemeinsamen geistlichen Rolle und unserem Platz in Aurbis?“ – In tiefster Zuneigung, Vivul Maloren von Ald-Cyrod

Abt Crassius Viria sagt: „Es ist in der Tat so, dass die meisten männlichen Mottenpriester ein überaus dicht, ja sogar prächtig bewachsenes Kinn besitzen, und viele unterschiedlichste und abenteuerlichste mystische Theorien und esoterische Hypothesen versuchen zu begründen, warum dies so sein sollte. Allerdings wird der weise Belesene ganz einfach darauf zurückkommen, dass es schon recht verzwickt ist, sich das Kinn zu rasieren, wenn die eigene Sehkraft beeinträchtigt ist.“

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